Ich weiß nicht, ob Günther Grass es war, der diesen Satz als Erster formuliert hat, Günther Grass war es jedenfalls, der ihn niedergeschrieben hat. Er beginnt damit das Buch, das Marcel Reich-Ranicki einmal als möglicherweise Wichtigstes aus dem Grass'schen Werk angesprochen hat: Das Treffen in Telgte.
Es sind knapp 150 Seiten, auf denen hier in bester Grass'cher Manier das Leben ausgebreitet wird, blutvoll, glutvoll, in höchstem Maße kunstvoll. Im Jahre 1647, der dreißigjährige Krieg nähert sich seinem Ende, versammeln sich die deutschen Barockdichter in Telgte bei Münster, um über die Zeitläufe und ihre Arbeiten zu diskutieren.
Im kurzerhand requirierten Gasthof der Witwe Libuschka geht es alsbald hoch her. Es wird heftig getrunken und deftig gespeist, die Jüngeren teilen sich des Nachts auf dem Dachboden die Mägde des Hauses. In der guten Absicht, einen Beitrag zur Beendigung des langjährigen Krieges zu leisten, einigen sich die Dichter nach hitzigen Diskussionen schließlich auf einen Friedensaufruf. Doch alles Bemühen war vergebens, denn das Haus geht in Flammen auf und mit ihm das Dokument.
Für den Literaturkenner unserer Nachkriegszeit verdichtet sich die Erkenntnis, dass Grass ein Zeitsprung von 300 Jahren als Kulisse gedient hat für eine verschlüsselte Darstellung der Treffen der Gruppe 47 nach dem zweiten Weltkrieg. Mit seinem Einleitungssatz jedenfalls ermahnt er den Leser, die Gewichtung alles Gegenwärtigen zu relativieren.
Günther Grass, Das Treffen in Telgte - ein Lesevergnügen der besonderen Art!
Das Treffen in Telgte. SPIEGEL-Edition Band 2.
176 Seiten, ISBN 3877630022
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