Zuerst bin ich dem Begriff bei Lars Gustafsson begegnet. Er hat einem seiner Romane diesen Titel gegeben. Das braucht aber nicht unbedingt zu heißen, dass er der originäre Schöpfer dieser wundervollen Metapher war. Auch die amerikanische Schriftstellerin Debra Dean hat später eines ihrer Bücher, zumindest in der deutschen Übersetzung durch Judith Schwaab, so benannt.
Um sich im Palast der Erinnerungen einzurichten, bedarf es einiger Lebensjahrzehnte, dann aber gibt er ein wunderbares Zuhause. Zu seinen tausend Räumen führen tausend Türen, viele davon sind versperrt, viele öffnen sich nur zaghaft. Manche verschließen sich auch wieder, man klopft vergebens an.
Andere wieder, soeben waren sie noch unzugänglich, stehen plötzlich weit offen und laden zum Betreten ein. Sie alle sind rund um einen prächtigen Festsaal angeordnet, er trägt den Namen Leben. Selbstverständlich gibt es auch Toiletten im Palast, dort kann man, was man nicht mehr riechen möchte, für immer hinwegspülen.
Sigrid Laube ist wieder und wieder durch den Palast ihrer Erinnerungen gewandert, um ihr wohl wichtigstes Buch schreiben zu können: Der unterbrochene Ton. In einem Schlüsselroman berichtet sie im Gedächtnis Bewahrtes aus den Erzählungen ihrer Mutter.
Bruchstückhaft tauchen dort Erinnerungen an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg auf, als im großbürgerlichen Hauhalt der Familie Löwen in Wien noch alles seine Ordnung hatte. Clara und ihre Brüder - einem davon können wir noch heute bei Bonvivante begegnen - leben mit ihren Eltern, der Großmama Thilde, Onkel Paul, dem Klavierlehrer und Pepi, der Haushälterin, in einer behüteten und fröhlichen Welt.
Mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten änderte sich schlagartig alles. Vater Löwen ist jüdischer Abstammung, von heute auf morgen darf er seinen Beruf als Wissenschaftler und Professor an der Wiener Universität nicht mehr ausüben.
Tag für Tag neuen Repressalien ausgesetzt, muss er das Land verlassen, während sich auch um die Familie die Schlingen enger ziehen.Die Entlastung geschieht, als ein bislang wohlgehütetes Familiengeheimnis offenbar wird...
Aus dem Palast ihrer Erinnerungen ist Sigrid Laube eine fesselnde Familiengeschichte gelungen, ein Buch, das Niemanden unberührt lässt.


















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