Wenn Bonvivante sich vorgenommen hat, nach und nach in völlig subjektiver Auswahl jene 100 Bücher vorzustellen, die zu lesen man im Leben nicht versäumt haben sollte, so liegt hier ein thematischer Ausreißer vor. "Mehr vom guten Leben" ist nicht Gegenstand dieser Erzählung von Leo Tolstoi - oder vielleicht doch? Der Titel jedenfalls deutet in eine andere Richtung: "Der Tod des Iwan Iljitsch".
Dem rückwärtigen Deckel der Ausgabe aus dem Brunnen-Verlag ist zu entnehmen, dass das Nobel-Institut dieses schmale Bändchen zu den 100 bedeutendsten Werken der Weltliteratur zählt. Na bitte, Bonvivante will sich einem solchen Befund nicht entgegenstellen, umsomehr das Thema eines ist, dem sich letztendlich niemand von uns entziehen kann.
Der zunehmend fassungslose Hauptcharakter der Erzählung versucht es dennoch - und scheitert kläglich. Ist mein Leben das richtige gewesen - kann ich den Tod vielleicht überlisten? Mitnichten. Und so leitet Tolstoi den eigentlichen Beginn seiner Erzählung mit einer lapidaren Feststellung ein - sie könnte ebenso gut von Thomas Bernhard stammen: "Die Lebensgeschichte des Iwan Iljitsch war die einfachste, alltäglichste und grauenhafteste Geschichte".
Die Reaktion im Freundeskreis signalisiert dazu die Ereignislosigkeit bzw. Unwichtigkeit des Geschehens: "Die Tatsache des Todes eines nahen Bekannten rief bei allen, die davon erfuhren, wie immer ein Gefühl der Freude hervor: Er ist gestorben, nicht ich". Also doch auch hier ein kleines Mehr vom guten Leben!


















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