Es ist eines der unglaublichsten Bücher. Kaum je bin ich in eine Geschichte so hinein gekippt wie in T.C. Boyles "Wassermusik". Die Sprache, der Handlungsverlauf, die Intensität - so farbig, so bunt, so dicht kann kaum jemand erzählen wie Boyle. Die Abenteuer, durch die der Protagonist taumelt, sind unerhört und atemberaubend.
Ein Schotte in Afrika
Der Entdeckungsreisende Mungo Park, ein blasser, dünner Schotte, versucht um das Jahr 1800 den Ursprung des Nigers zu finden. Abenteuerlich schlägt er sich durch den schwarzen Kontinent, begleitet von seinem erstaunlich gebildeten Butler, dem Ex-Sklaven Johnson. Das Afrikabild, das hier gezeichnet wird, ist dunkel, wild, unberechenbar und fremd.
Mehr als drei Leben
Mungo Park muss sich immer wieder gefährlichen Söhnen der Wüste, hungrigen Krokodilen und anrüchigen Herausforderungen stellen. Aber auch London, in dem die Parallelgeschichte des Gauners Ned Rise angesiedelt ist, ist ein kaum weniger gefährliches Pflaster. Das Schicksal führt schließlich die Beiden zu einem gemeinsamen Abenteuer zusammen. Als drittes und gänzlich anderes Lebenskonzept wird das der Verlobten und späteren Ehefrau des Entdeckungsreisenden, Ailie Anderson, in Schottland entfaltet.
Fatima - Sinne pur
Außer äußerst lustvollem Lesen hat mir dieser Roman noch zu einer essentiellen Erkenntnis verholfen: Sollte es ein Leben vor meinem jetzigen gegeben haben, dann weiß ich dank "Wassermusik", welches Schicksal ich damals hatte: Ich war Fatima, die üppige Königin der Wüste, die "nackt und unausweichlich wie die große weite unergründliche See" ist.
Diese Orientalin, die den schmalen Schotten mit ihrer Körperfülle zu verschlingen droht, ist schier überwältigend. Endlich wird der Entdeckungsreisende zum wahren Entdecker. "Er erklimmt sie, sucht mit den Füßen nach Halt, so viel Terrain zum Erforschen, Gebirge, Täler und Spalten, neue Kontinente, uralte Flüsse."
Oh mein Gott! "Wassermusik" ist mein absoluter Leib-Seele-Roman!


















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