Abends hört Tissa auf einmal ein dunkles Geräusch aus der Ferne: „Taram-taram, taram..., tam, tam..." Immer wieder. Er springt auf und umarmt Tembo vor Freude: „Tembo, mein lieber kleiner Elefant, hörst du das? Wir sind gerettet und müssen nicht verhungern!"
"Woher willst du das wissen?" fragt der Elefant. "Das sind viele Trommeln. Und wo Trommeln sind, sind auch Menschen.
Dort ist ein Dorf und viel Milch... Komm schnell, wir gehen hin." Er steigt auf Tembos Rücken, und die kleine Antilope läuft mit eiligen Schritten erwartungsvoll hinterdrein, hinter der nächsten Hügelkette liegt es auch schon, das Dorf. Der Schein von vielen Feuern flackert zum Himmel. Lauter wird der harte Schlag der Trommeln, grelle Stimmen trillern dazwischen. Der Lärm wird immer ärger.
„Ngoma - wir feiern heute Ngoma, alle Leute tanzen und trinken!" Rufen ein paar alte Frauen Tissa zu und verdrehen ihre Hälse erstaunt nach dem Elefanten und dem Jungen, hinter denen ein Dik-Dik herläuft. Schon sind die drei mitten im Dorf auf dem großen Platz angelangt. Da drängen sich viele Männer und Frauen. Das ist ein Lachen, Schreien und Stampfen! Die Männer trinken aus hohlen Kürbissen scharfes Hirsebier, das ihnen in den Kopf steigt. Geschickt spielen die Musikanten auf Trommeln, Flöten und Fiedeln. Sie haben die Augen geschlossen, und der Schweiß rinnt ihnen von der Stirne über die schwarzen, glänzenden Körper.
Im zuckenden Schein der Flammen bewegen sich die Tänzer. Um ihre Knöchel sind getrocknete Früchte gebunden, mit Kieselsteinen drin, die be jedem Schritt rasseln und scheppern. Mit zurückgeworfenen Köpfen hüpfen sie hin und her, drehen sich im Kreis, lassen sich auf den Boden fallen und springen blitzschnell wieder auf. Hoch in die Luft. Ihre nackten Füße wirbeln weiße Staubwolken auf.
Die Zuschauer wiegen sich in den Hüften, klatschen in die Hände und rufen unentwegt: „Buu - ha - ha, Buuuha ha, ha uuuiii, ui, ui!" Immer rascher schlagen die Männer auf die Trommeln, ihre Trommelstäbe wirbeln so schnell durch die Luft, dass man sie gar nicht mehr sehen kann.
Ein Haufen von Leuten kommt herbei, und alle fangen an, ihre Arme und Beine im Rhythmus zu bewegen. Da hält es der kleine Tissa nicht mehr aus. Er muss tanzen wie die Erwachsenen. In seinem Kopf hat nur mehr ein Wunsch Platz: "Ich muss tanzen - tanzen - zu diesen Trommeln, immer schneller, je schneller die Trommeln schlagen. Tom-tom, taramtamtam..."
Seine Glieder werden lebendig und zucken, er hüpft und tanzt und wirbelt im Kreis herum. Bald ist er zwischen den schwarzen Körpern verschwunden. "Hallo, Tissa, was machst du, bleib doch bei mir!" ruft Tembo, aber in diesem Lärm kann ihn niemand hören. Ein Weilchen steht er noch verloren mit dem Dik-Dik im Schatten der großen Feuer. Als er merkt, dass Tissa nicht so bald zurückkommt, beginnt er sich zu fürchten. Denn schließlich ist Tembo noch ein recht dummes Elefantenkind. das nie allein sein will. Weil die großen Elefanten fast so lange leben wie Menschen, brauchen ihre Jungen länger als andere Tiere, bis sie erwachsen und vernünftig werden.
Tembo hat große Angst. Aber noch größer ist sein Hunger nach Milch. Und so sagt er zu dem Dik-Dik: "Bleib immer schön· brav an meiner Seite, vielleicht finden wir etwas zu essen." Und er trabt fort, weg von den vielen schreienden Leuten. Im Dunkeln spaziert er durch die ausgestorbenen Wege des Dorfes. Denn heute sind alle Leute beim Tanz, und nur die kleinen Kinder und die Alten sind in ihren Hüften geblieben.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie Komm mit Tembo:
- KOMM MIT TEMBO / Zweiter Abend: WIE DAS ELEFANTENKIND VERLORENGEHT
- KOMM MIT TEMBO / Dritter Abend: DAS ELEFANTENKIND FINDET EINE NEUE MUTTER
- KOMM MIT TEMBO / Vierter Abend: TEMBO UND TISSA AUF WANDERSCHAFT
- KOMM MIT TEMBO / Fünfter Abend: WIE TISSA EINE ZWERGANTILOPE FINDET
- KOMM MIT TEMBO / Sechster Abend: DIE FATA MORGANA
- KOMM MIT TEMBO / Siebenter Abend: DER PARADIES-SEE UND DIE KLEINEN FLIEGEN
- KOMM MIT TEMBO / Achter Abend: WENN DIE SCHWARZEN MENSCHEN TANZEN
- KOMM MIT TEMBO / Neunter Abend: WIE MAN NACH ELEFANTENART EINKAUFEN GEHT
- KOMM MIT TEMBO /Zehnter Abend: BEI DEN WILDEN MASSAI
- KOMM MIT TEMBO / Elfter Abend: DIE SCHLANGE UND DER ZAUBERER
- KOMM MIT TEMBO / Zwölfter Abend: SANDOA, DER ALTE MÄRCHENERZÄHLER
- KOMM MIT TEMBO / Dreizehnter Abend: WIE TEMBO UND DAS DIK-DIK FORTGEHEN
- KOMM MIT TEMBO / Vierzehnter Abend: WIE DER LÖWE DAS ELEFANTENBABY FRESSEN WILL
- KOMM MIT TEMBO / Fünfzehnter Abend: WIE TEMBO GERETTET WIRD
- KOMM MIT TEMBO / Sechzehnter und letzter Abend: TISSA NIMMT ABSCHIED VON SEINEM ELEFANTENKIND
- KOMM MIT TEMBO / Erster Abend: EIN ELEFANT WIRD GEBOREN



















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