Wie sie so friedlich dahin reiten, sieht Tissa plötzlich viele schwarze Aasgeier am Himmel kreisen. Und eine Rauchwolke, die hoch aufsteigt. Als sie näher kommen, wird es unerträglich heiß, vor lauter Rauch kann man kaum mehr atmen. Die Steppe brennt. Kilometerweit reicht die Schlange der roten züngelnden Flammen, die sich langsam und zitternd weiter fressen. Dahinter liegt das Land wie tot, schwarz und verbrannt. Da bekommt der Elefant Angst und will davon laufen. Doch Tissa klopft ihm beruhigend auf den Rücken:
"Du brauchst dich nicht zu fürchten. Ich kenne das. Jedes Jahr in der Trockenzeit zünden die Menschen die Steppe an. Damit das alte Gras verbrennt und die jungen grünen Halme nach dem ersten Regen besser wachsen können. Dann werden unsere Kühe wieder dicker und es gibt mehr Milch." Als Tembo das Wort „Milch" hört, wird er ganz ruhig und denkt: So schlimm kann es nicht sein.
Verwundert sieh er, wie Tausende von kleinen Vögeln in der größten Hitze ganz nahe beim Feuer sitzen, als würden sie jeden Augenblick von der brennenden Steppe verschlungen. Doch sie trippeln so geschickt nach rückwärts, dass sie von den Flammen nicht erfasst werden. Da stehen auch große Marabus auf einem Bein. Sie haben lange nackte Hälse und hässliche Gesichter.
Blitzschnell ducken sie die Köpfe, dann stehen sie wieder bewegungslos und lauern. Sie warten auf die vielen kleinen Tiere, die in ihrer Todesnot vor dem Feuer davonlaufen - direkt in die hungrigen Schnäbel ihrer Feinde.
Plötzlich springt Tissa von Tembo herunter und rennt zum Feuer hin. In einem Grasbüschel hat sich etwas Braunes bewegt. Gerade rechtzeitig, als die gierigen Zungen der Flammen schon die trockenen Halme erreichen, reißt Tissa ein zappelndes Wesen in die Höhe. Es ist eine junge Zwergantilope, man nennt sie „Dik-Dik". Das schmale Köpfchen mit den großen schwarzen Augen hängt ganz matt herunter, als Tissa sie auf den Arm nimmt.
Tissa läuft zurück zu seinem Elefanten und jubelt: "Schau her, ich habe ein Dik-Dik gefunden - ich habe es vor dem Feuer gerettet!" Misstrauisch beriecht Tembo das fremde Wesen. Es sieht aus wie ein Reh und ist doch nur so groß wie ein junger Hase.
„Noch nie gesehen", brummt der Elefant. Dann ist die Freundschaft geschlossen. Als Tissa wieder auf Tembos Rücken klettert, hält er das Dik-Dik fest unter seinem Arm.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie Komm mit Tembo:
- KOMM MIT TEMBO / Zweiter Abend: WIE DAS ELEFANTENKIND VERLORENGEHT
- KOMM MIT TEMBO / Dritter Abend: DAS ELEFANTENKIND FINDET EINE NEUE MUTTER
- KOMM MIT TEMBO / Vierter Abend: TEMBO UND TISSA AUF WANDERSCHAFT
- KOMM MIT TEMBO / Fünfter Abend: WIE TISSA EINE ZWERGANTILOPE FINDET
- KOMM MIT TEMBO / Sechster Abend: DIE FATA MORGANA
- KOMM MIT TEMBO / Siebenter Abend: DER PARADIES-SEE UND DIE KLEINEN FLIEGEN
- KOMM MIT TEMBO / Achter Abend: WENN DIE SCHWARZEN MENSCHEN TANZEN
- KOMM MIT TEMBO / Neunter Abend: WIE MAN NACH ELEFANTENART EINKAUFEN GEHT
- KOMM MIT TEMBO /Zehnter Abend: BEI DEN WILDEN MASSAI
- KOMM MIT TEMBO / Elfter Abend: DIE SCHLANGE UND DER ZAUBERER
- KOMM MIT TEMBO / Zwölfter Abend: SANDOA, DER ALTE MÄRCHENERZÄHLER
- KOMM MIT TEMBO / Dreizehnter Abend: WIE TEMBO UND DAS DIK-DIK FORTGEHEN
- KOMM MIT TEMBO / Vierzehnter Abend: WIE DER LÖWE DAS ELEFANTENBABY FRESSEN WILL
- KOMM MIT TEMBO / Fünfzehnter Abend: WIE TEMBO GERETTET WIRD
- KOMM MIT TEMBO / Sechzehnter und letzter Abend: TISSA NIMMT ABSCHIED VON SEINEM ELEFANTENKIND
- KOMM MIT TEMBO / Erster Abend: EIN ELEFANT WIRD GEBOREN



















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