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"Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur."
Max Frisch

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KOMM MIT TEMBO / Neunter Abend: WIE MAN NACH ELEFANTENART EINKAUFEN GEHT

Wie Tembo so dahingeht, schnüffelt er ein bisschen auf dem Boden herum, beriecht die Körbe und Geräte, die vor den Häusern umherliegen. Nichts Interessantes. Gelangweilt nimmt er einen Rüssel voll Staub und prustet ihn über seinen Rücken. Wütend schimpft das kleine Dik-Dik: „Was machst du denn da - hast du mich vergessen? Meine Augen sind jetzt voll Sand, au-weh, auweh...!!!

Wie Tembo so dahingeht, schnüffelt er ein bisschen auf dem Boden herum, beriecht die Körbe und Geräte, die vor den Häusern umherliegen. Nichts Interessantes. Gelangweilt nimmt er einen Rüssel voll Staub und prustet ihn über seinen Rücken. Wütend schimpft das kleine Dik-Dik: „Was machst du denn da - hast du mich vergessen? Meine Augen sind jetzt voll Sand, au-weh, auweh...!!!

Da bemerkt Tembo eine Türe mit einem Fransenvorhang davor. Prüfend steckt er seinen Rüsselfinger zwischen den Fransen durch und - oh, da riecht es aber angenehm! Nach vielen herrlichen Dingen. Und schon schiebt das Elefantenkind seinen runden grauen Körper neugierig durch den Eingang.

Drinnen sitzt ein Mann hinter einem Tisch. Ein Mann mit einem langen weißen Bart und einem hohen Turban auf dem Kopf. Er ist ein Inder, der Besitzer des Ladens. Eben hat er ein wenig Tee getrunken und vor sich hingedöst. Viele Kunden kommen jetzt nicht zu ihm, weil alle Dorfbewohner beim Ngoma sind. Trotzdem hält er sein Geschäft auch spätabends noch offen, denn er lässt keine Gelegenheit aus, etwas zu verdienen.

Wie er so sitzt und im Kopf alle Groschen zusammenrechnet, die er heute verdient hat und an alle Groschen denkt, die er noch verdienen wird, reißt ihn plötzlich ein Geräusch aus seinen Träumen. Er reibt sich die Augen und schlägt sich mit der Faust an die Stirne - nein, er schläft nicht mehr, er ist tatsächlich hellwach! Aber er muss ja träumen, denn... denn... das ist ja einfach nicht möglich! Und erschreckt starrt er auf das, was er sieht.

Da kommt durch den Vorhang ganz langsam ein winzig kleiner Elefant, jawohl, ein richtiger Elefant mit großen Ohren. Hinter ihm hüpft irgendein anderes Tier. Mitten im Laden bleibt der Spielzeugelefant stehen und beginnt mit seinem Rüssel die Schachteln, Flaschen und Waren zu beschnuppern, die aufgestapelt herumliegen. Aber nicht nur das. Da!

Jetzt packt er einen Ballen von schönster indischer Seide, reißt ihn auseinander, zieht den Stoff durch den ganzen Laden, wickelt sich darin ein, trampelt darauf herum und wirft ihn übermütig in die Höhe. Das Tier wühlt in den guten Süßigkeiten, streut das Zuckerwerk rundherum auf den Boden. Es greift nach Bananen, Mangofrüchten und Kürbissen, steckt sie ins rosa Maul und spuckt sie wieder aus, dass der Saft weit spritzt. Der kleine Elefant zerreißt einen Sack mit scharfen Gewürzen und trompetet fürchterlich, weil es ihn brennt. Sein Rüssel taucht in einen Haufen von gelbem Maismehl, er hustet und schluckt und bläst dem verdutzten Inder das Mehl ins Gesicht. Der ganze Raum ist in eine gelbe Wolke gehüllt. Und da hat Tembo ein Fass mit dicker gestockter Milch gefunden ...

Schwupp - schon ist es fast leer getrunken. Dann wirft er es um, und der Rest der Milch läuft als schmutziges Bächlein auf die Straße hinaus. Das Elefantenkind packt das leere Fass und stülpt es schwungvoll dem armen Inder auf den Kopf.

Jetzt erst löst dieser sich aus seiner Erstarrung. Er reißt das Fass von seinem Kopf herunter und fuchtelt wild mit den Armen in der Luft herum. Der Inder brüllt und schreit: "Hilfe, Hilfe, ein Räuuuuuber! Hilfe, meine schöne Seide, meine Milch!"

Aber er wagt es nicht, hinter seinem Pult hervorzukommen. Er denkt: Dieser Elefant ist zwar sehr klein, aber sicherlich schon recht kräftig. Er könnte mich vielleicht mit seinen dicken Füßen zertrampeln! Und er ruft weiter laut um Hilfe. Bald kommen einige Leute herbei, zuerst nur Kinder und alte Frauen, dann auch die Männer, die man vom Tanzplatz weggeholt hat. Sie kommen mit Keulen und Stöcken und wollen Tembo schnell verjagen. Oder auch töten.

"Doch seid vorsichtig", sagt jemand, „wo ein kleiner Elefant ist, sind meistens auch die großen Tiere nicht mehr weit. Solange das Baby hier Lärm macht, könnten es die großen Elefanten hören und es holen kommen." Alle haben Angst. Der Inder, die Leute und auch Tembo. Denn er weiß nicht mehr, wie er entkommen soll, so dicht haben sich die Männer um ihn geschart.
Niemand beobachtet das Dik-Dik, das friedlich in einer dunklen Ecke die verschüttete Milch aufleckt. Da ruft ein Mann: "Schnell, macht ihn tot, sonst richtet er noch mehr Schaden an und verwüstet alle unsere Hütten! Und schon will er sich auf Tembo stürzen.

Da bahnt sich ein kleiner Junge den Weg durch die Menge. "Tembo, Tembo, ich komme schon!" schreit er. Mit fliegendem Atem stürzt er in den Laden und kann gerade noch den Mann zurückreißen, der eine schwere Holzkeule erhoben hat. "Was willst denn du, du bist ja ein ganz fremder Junge, misch dich nicht in unsere Angelegenheiten!" schimpfen die Leute. "Kinder haben den Mund zu halten!" faucht böse ein runzeliger Greis.

Aber Tissa lässt nicht locker. Doch er weiß, dass er viel schwächer ist als alle anderen und versucht es mit List. Seine hohe Stimme übertönt den Lärm, als er ruft: "Passt auf, Leute, lasst mich reden. Ihr dürft dieses Tier nicht berühren, sonst kommt großes Unheil über euch. Ein Zauberer hat diesen Elefanten verhext. Wenn man ihm etwas Böses antut, wird er plötzlich ganz groß und dreimal so stark wie die alten Elefanten. Er wird alles niedertrampeln und euer Leben bedrohen."

Als die Leute die Worte "Zauberer" und "verhext" hören, werden sie unsicher, treten zurück und flüstern aufgeregt miteinander. Schnell nimmt Tissa den Strick, den er um seine Mitte gewickelt hatte, und bindet ihn Tembo um den Hals. Ungehindert kommen beide auf die Straße hinaus, in großen Sprüngen hopst das Dik-Dik hinterdrein. Leiser und leiser klingt das Schreien und das dunkle Tamtam der Trommeln. Immer schwächer wird der Schein der kleinen roten Feuer.

Und Tissa, Tembo und das Dik-Dik verlassen das Dorf und ziehen hinaus in die Dunkelheit.

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