Neben einem niederen Gestrüpp ruht sich Tembo ein wenig aus. Das Dik-Dik schreit: "Ich will zurück ins Dorf, ich hab' Durst, ich möchte Milch trinken, ich möchte..." Doch plötzlich verstummt es und spitzt seine großen Ohren.
Da - ganz in der Nähe - ein fürchterliches Brüllen. "Uuaah - uuaaah." Die Haare auf Tembos Rücken sträuben sich, sein Rüssel fliegt in die Höhe und wittert. Das hab' ich schon einmal gehört, denkt er voll Angst, damals in der Nacht, als wir mit Tissa beim roten Termitenhügel schliefen. Das ist Simba, der Löwe! Mein Gott, er wird kommen und uns fressen, jetzt, wo uns niemand beschützt ... Sein Elefantenherz klopft zum Zerspringen. Unruhig stampfen seine dicken Beine auf dem Boden herum, dass der Staub aufwirbelt. Und wieder zittert die Luft vor dem grollenden: "Uuaaah, uuaahh .. ."
Ein hungriger gelber Löwe mit dichter schwarzer Mähne ist auf Beute ausgezogen. Er treibt sich gerne in der Nähe des Massai-Krals herum. Schon öfters konnte er ein Kälbchen oder eine kranke Kuh erbeuten. Jetzt knurrt sein Magen, geräuschlos setzt er seine schweren Pranken auf die Erde. Auf einmal beginnen die Spitzen seiner Ohren zu beben. Er bleibt stehen und lauscht. Hat da nicht etwas gequiekt? Schleichend pirscht er weiter. Da treibt ihm der Wind die Witterung in die Nase.
"Ha, das riecht gut nach einem Elefanten und einem Dik-Dik! Aber ich muss vorsichtig sein, vielleicht sind da auch die großen Elefanten, vor denen habe ich Angst!" Immer enger zieht er seine Kreise. Und brüllt: "Ich, Simba, der Löwe komme! Nehmt euch in acht..."
Plötzlich bricht er durch die Büsche und steht vor den beiden Tieren. Die kleine Antilope zittert so, dass sie beinahe umfällt. Sie will weglaufen. Doch Tembo hält sie mit dem Rüssel fest: „Wenn du davon springst, sind wir verloren!" flüstert er. Ganz deutlich kann er die langen Schnurrbarthaare des Löwen sehen. Das Raubtier hat die Ohren zurückgelegt und faucht fürchterlich. Tembo versucht, eine drohende Stellung einzunehmen. Er sieht ein bisschen lächerlich aus, weil er so klein ist. Er senkt den Kopf zu Boden, seine Ohren sind wie Fächer auf die Seiten gestreckt. Ein schrilles Trompeten kommt aus seinem Rüssel. Der Löwe macht einen Schritt zurück.
Dieses Baby hat aber Mut, denkt er. Aber seine Mutter ist nicht da, es kann trompeten, soviel es will, ich werde es trotzdem fressen! Und gierig leckt er sich die Lefzen. Seine goldgelben Augen lassen Tembo und das Dik-Dik nicht los. Schon duckt er sich und setzt zum Sprung, an. Verzweifelt schreiend hüpft das Dik-Dik davon.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie Komm mit Tembo:
- KOMM MIT TEMBO / Zweiter Abend: WIE DAS ELEFANTENKIND VERLORENGEHT
- KOMM MIT TEMBO / Dritter Abend: DAS ELEFANTENKIND FINDET EINE NEUE MUTTER
- KOMM MIT TEMBO / Vierter Abend: TEMBO UND TISSA AUF WANDERSCHAFT
- KOMM MIT TEMBO / Fünfter Abend: WIE TISSA EINE ZWERGANTILOPE FINDET
- KOMM MIT TEMBO / Sechster Abend: DIE FATA MORGANA
- KOMM MIT TEMBO / Siebenter Abend: DER PARADIES-SEE UND DIE KLEINEN FLIEGEN
- KOMM MIT TEMBO / Achter Abend: WENN DIE SCHWARZEN MENSCHEN TANZEN
- KOMM MIT TEMBO / Neunter Abend: WIE MAN NACH ELEFANTENART EINKAUFEN GEHT
- KOMM MIT TEMBO /Zehnter Abend: BEI DEN WILDEN MASSAI
- KOMM MIT TEMBO / Elfter Abend: DIE SCHLANGE UND DER ZAUBERER
- KOMM MIT TEMBO / Zwölfter Abend: SANDOA, DER ALTE MÄRCHENERZÄHLER
- KOMM MIT TEMBO / Dreizehnter Abend: WIE TEMBO UND DAS DIK-DIK FORTGEHEN
- KOMM MIT TEMBO / Vierzehnter Abend: WIE DER LÖWE DAS ELEFANTENBABY FRESSEN WILL
- KOMM MIT TEMBO / Fünfzehnter Abend: WIE TEMBO GERETTET WIRD
- KOMM MIT TEMBO / Sechzehnter und letzter Abend: TISSA NIMMT ABSCHIED VON SEINEM ELEFANTENKIND
- KOMM MIT TEMBO / Erster Abend: EIN ELEFANT WIRD GEBOREN



















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