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"Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur."
Max Frisch

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KOMM MIT TEMBO / Vierzehnter Abend: WIE DER LÖWE DAS ELEFANTENBABY FRESSEN WILL

Neben einem niederen Gestrüpp ruht sich Tembo ein wenig aus. Das Dik-Dik schreit: "Ich will zurück ins Dorf, ich hab' Durst, ich möchte Milch trinken, ich möchte..." Doch plötzlich verstummt es und spitzt seine großen Ohren.

Neben einem niederen Gestrüpp ruht sich Tembo ein wenig aus. Das Dik-Dik schreit: "Ich will zurück ins Dorf, ich hab' Durst, ich möchte Milch trinken, ich möchte..." Doch plötzlich verstummt es und spitzt seine großen Ohren.

Da - ganz in der Nähe - ein fürchterliches Brüllen. "Uuaah - uuaaah." Die Haare auf Tembos Rücken sträuben sich, sein Rüssel fliegt in die Höhe und wittert. Das hab' ich schon einmal gehört, denkt er voll Angst, damals in der Nacht, als wir mit Tissa beim roten Termitenhügel schliefen. Das ist Simba, der Löwe! Mein Gott, er wird kommen und uns fressen, jetzt, wo uns niemand beschützt ... Sein Elefantenherz klopft zum Zerspringen. Unruhig stampfen seine dicken Beine auf dem Boden herum, dass der Staub aufwirbelt. Und wieder zittert die Luft vor dem grollenden: "Uuaaah, uuaahh .. ."

Ein hungriger gelber Löwe mit dichter schwarzer Mähne ist auf Beute ausgezogen. Er treibt sich gerne in der Nähe des Massai-Krals herum. Schon öfters konnte er ein Kälbchen oder eine kranke Kuh erbeuten. Jetzt knurrt sein Magen, geräuschlos setzt er seine schweren Pranken auf die Erde. Auf einmal beginnen die Spitzen seiner Ohren zu beben. Er bleibt stehen und lauscht. Hat da nicht etwas gequiekt? Schleichend pirscht er weiter. Da treibt ihm der Wind die Witterung in die Nase.

"Ha, das riecht gut nach einem Elefanten und einem Dik-Dik! Aber ich muss vorsichtig sein, vielleicht sind da auch die großen Elefanten, vor denen habe ich Angst!" Immer enger zieht er seine Kreise. Und brüllt: "Ich, Simba, der Löwe komme! Nehmt euch in acht..."

Plötzlich bricht er durch die Büsche und steht vor den beiden Tieren. Die kleine Antilope zittert so, dass sie beinahe umfällt. Sie will weglaufen. Doch Tembo hält sie mit dem Rüssel fest: „Wenn du davon springst, sind wir verloren!" flüstert er. Ganz deutlich kann er die langen Schnurrbarthaare des Löwen sehen. Das Raubtier hat die Ohren zurückgelegt und faucht fürchterlich. Tembo versucht, eine drohende Stellung einzunehmen. Er sieht ein bisschen lächerlich aus, weil er so klein ist. Er senkt den Kopf zu Boden, seine Ohren sind wie Fächer auf die Seiten gestreckt. Ein schrilles Trompeten kommt aus seinem Rüssel. Der Löwe macht einen Schritt zurück.

Dieses Baby hat aber Mut, denkt er. Aber seine Mutter ist nicht da, es kann trompeten, soviel es will, ich werde es trotzdem fressen! Und gierig leckt er sich die Lefzen. Seine goldgelben Augen lassen Tembo und das Dik-Dik nicht los. Schon duckt er sich und setzt zum Sprung, an. Verzweifelt schreiend hüpft das Dik-Dik davon.

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