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"Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur."
Max Frisch

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KOMM MIT TEMBO / Zwölfter Abend: SANDOA, DER ALTE MÄRCHENERZÄHLER

In den nächsten Tagen ist Tissa zwar noch etwas schwach, aber es geht ihm viel besser. Er sitzt mit Tembo und dem Dik-Dik vor der Hütte von Jumas Eltern und plaudert mit den Leuten, die vorübergehen.

In den nächsten Tagen ist Tissa zwar noch etwas schwach, aber es geht ihm viel besser. Er sitzt mit Tembo und dem Dik-Dik vor der Hütte von Jumas Eltern und plaudert mit den Leuten, die vorübergehen.

Manchmal hockt sich der alte Sandoa zu ihm, Jumas Vater. Und das sind für Tissa die schönsten Stunden. Denn dieser alte Massai ist sehr weise und kennt eine Menge Geschichten und Märchen, die Tissa noch nie gehört hat. Er erzählt von den großen Städten und den Menschen dort, die ganz weiß und rosarot im Gesicht sind, wie die Flamingos.

"Aber wie kann ein Mensch weiß sein?" wundert sich Tissa. Und Sandoa erzählt: "Ja, das war damals, vor langer, langer Zeit. Als Gott die Welt erschaffen hatte knetete er einen großen Menschen aus Teig und schob ihn in den Backofen. Als er ihn herauszog, erschrak Gott sehr, denn der Mensch war ganz verbrannt, kohlrabenschwarz.

Er versuchte es noch einmal - diesmal nahm er den Teig zu früh heraus und der Mensch war noch ganz weiß. Erst beim dritten Mal gelang es ihm - dieser Mensch war so, wie ihn sich Gott gewünscht hatte. Dunkelbraun, wie ein schönes Brot, so wie wir. Seit damals gibt es auch weiße Menschen. Am Abend sitzt Tissa noch immer mit Sandoa vor der Hütte. Er kann gar nicht genug bekommen, dem Alten zuzuhören.
Tissa zeigt auf den Mond und fragt: "Warum hat der Mond so ein schiefes Gesicht?" Und Sandoa erzählt:

"Einmal, vor langer Zeit, haben Sonne und Mond geheiratet. Eines Tages hatten sie Streit miteinander, der Mond schlug die Sonne auf den Kopf und die Sonne verwundete den Mond. Da schämte sich die Sonne. Sie wollte nicht, dass die Menschen ihre Wunde sehen. Deshalb ließ sie ihr Licht so stark glänzen, dass man sie nur mit halbgeschlossenen Augen betrachten kann. Der Mond aber schämte sich nicht. Jeder kann ihm ins Gesicht schauen und bemerken, dass sein Mund zerschlagen ist und dass ihm ein Auge fehlt."

Als draußen in der Dunkelheit eine Hyäne heult sagt der Alte zu Tissa: „Hörst du sie wie sie heulen? Weißt du, warum Hyänen schreien?" „Nein," sagt Tissa neugierig „warum tun sie das?" "Das war so: Früher haben die Hyänen nicht geschrieen. Da war einmal eine Hyäne, die trennte sich immer von ihrem Rudel und fraß alle Beute, die sie fand, ganz allein auf. Wenn die anderen Hyänen dazukamen, fanden sie nur noch die Knochenreste.

Da wurde eine Gerichtsversammlung einberufen. Die Hyänen erließen ein Gesetz, dass jedes Tier, das etwas zu fressen findet, laut heulen muss, damit die anderen es hören und am Mahl teilnehmen können. Die selbstsüchtige Hyäne aber wurde zum Tode verurteilt. Seither hört man in der Nacht die Hyänen schreien."

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