Indien war schon seit jeher ein Land zu dem ich mich zwar magisch hingezogen fühlte, allerdings war da auch immer eine Art Furcht und Scheu vor dem Fremden, dem Anderen - eigentlich vor dem Elend. Vor 25 Jahren hatte ich diesbezüglich ein sehr negatives Indienerlebnis, vor sieben Jahren wagte ich mich doch wieder in mein Sehnsuchtsland. Mit dem Zug durch Rajasthan - es war eine großartige Reise. Im heurigen Jänner erlebte ich wieder ein ganz anderes Indien. Eine Schiffsreise auf dem Ganges - von Kalkutta nach Varanasi.

Gangama (Mutter Ganges) ist eine der wichtigsten Gottheiten Indiens. Ein gläubiger Hindu sehnt sich danach in Varanasi zu sterben, verbrannt zu werden und seine Asche dem heiligen Fluß zu überantworten.
Unsere Reise startete auf dem Hooghli, einem Seitenfluss des Ganges. Wir durchfuhren eine traumhaft schöne Landschaft voll zufrieden wirkender Landbewohner. Überall wurden wir freudig begrüßt, wir fühlten uns ehrlich willkommen. Seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ist es das erste Mal, dass durch Pandaw RIver Cruises Hooghli und Ganges wieder mit einem Passagierboot beschifft werden. Auf diesen Flüssen finden man ansonsten nur kleine Boote für Lastentransporte und Fähren.
Immer wieder lief das Schiff auf Sandbänken auf, der Jänner-Nebel behinderte zusätzlich ein zügiges Weiterkommen. Fixe Zeitpläne und durchorganisierte Tagesabläufe konnten somit nicht eingehalten werden. Was kann, was darf man an dieser Stelle lernen? Hier löst sich das westlich Zwanghafte auf in ein Leben am und mit dem Fluß. In dieser HIngabe kann der Weg fortgesetzt werden in einem Tempo, dass die Umstände zulassen.
Ich war im Urlaub, da gelingt mir das Einlassen meist sehr gut. Was gäbe ich, wenn mich das auch im Alltagsleben begleiten könnte! Da hab ich noch ein gutes Stück Weges zu gehen.



















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