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"Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei"
George Orwell

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Alle Tassen im Schrank

Nicht mehr lange, und das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien wartet mit einer Sammlung auf, wie sie bislang noch nicht zu sehen war. Und zwar werden sich hunderte Kaffeehäferln unterschiedlichster Art und Provenienz dem staunenden Publikum präsentieren.

Die Geschichte dieser Sammlung beginnt im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Wir hatten soeben ein 350 Jahre altes Bauernhaus am Salzburger Fuschl-See erworben und begonnen, uns darin einzurichten. Zunächst aber galt es, alles Vorhandene zu durchstöbern und auf allfällige brauchbare Hinterlassenschaften unserer zahllosen Vorbewohner zu untersuchen.

So fand sich im früheren Erdäpfelkeller, eines gut zur Hälfte vom Waldboden bedeckten Gemäuers zur frostsicheren Lagerung von Kartoffeln, eine riesige, mit allerhand Küchenkram aus vergangenen Zeiten gefüllte, truhenartige Holzkiste. Sogleich begannen wir, die Inhalte zu examinieren, bis wir schließlich unter zahllosen verbeulten Pfannen, abgeschlagenen Töpfen und allerlei rostigen Gerätschaften auf eine dickwandige Kaffeschale stießen, gemeinhin als Häferl bezeichnet. „Ich bringe dir Glück" stand in halbvergangenen Buchstaben drauf.

Keine Frage, dieses Stück verdiente höchste Wertschätzung und damit einen würdigen Ehrenplatz in unserem neuen Ambiente. Ein solcher war auch rasch gefunden, war doch die große Stube von einer Holzvertäfelung umwandet, deren oberen Abschluss ein ausladendes Gesimse bildete.

Schon thronte das Häferl auf zentralem Platz über dem bäuerlichen Esstisch, Mittel- und Blickpunkt allen Geschehens im Haus. Es vergingen nur wenige Tage, bis ein treuer Freud des Hauses bei einem seiner Besuche ein weiteres Häferl mitbrachte und wie selbstverständlich neben unser Glückshäferl stellte. „Damit es nicht so einsam ist" war sein Kommentar, und das war gleichzeitig der Startschuss zu allem Weiteren:

Das Beispiel machte Schule. Sie Sache sprach sich rasch herum und fortan verging kaum ein Tag, an dem nicht einer unserer Freunde oder guten Bekannten seinen Besuch mit einem weiteren Häferl verbrämte. Und in einem Haus am See hat man viele Freunde und gute Bekannte!

Wie die Sammlung erkennen lässt, kamen die Häferl alsbald aus aller Welt. Die Meisten sind zwar alpenländischen Ursprungs, doch auch aus den ehemaligen Kronländern der österreichischen Monarchie kamen sie, aus dem Rest Europas, selbst aus England mit dem Konterfei des dortigen Kronprinzenpaares! Viele verraten ihre Entstehung im 19. Jahrhundert, manche sogar noch früher, andere wieder sind durchaus neuzeitlich, wie etwa das Hochzeitshäferl der jungen Hausleute aus dem spanischen Ronda! Kitsch as Kitsch can lautete das Motto, und dem waren keine Grenzen gesetzt!

Es währte nicht lange, und es waren der Häferl hunderte! Längst war das Gesimse der guten Stube rundum gefüllt, sodass in anderen Räumen und Schränken weiterer Platz geschaffen werden musste.

Doch nichts ist von Dauer und als im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts das Haus am See schließlich aufgegeben wurde, war es eine vordringliche Frage, was wohl mit der einzigartigen Sammlung geschehen sollte. Mit etwas Glück war die Lösung schließlich gefunden: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien würde der ideale Ort für die Bewahrung dieses Schatzes sein und schließlich auch eine breite Öffentlichkeit daran teilhaben lassen!

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