Mit dem Ende des Arbeitslebens tritt eine völlig neue Qualität in unser Dasein. Nicht nur bekommen wir plötzlich Geld für's Nichtstun, Rente oder Pension oder was immer auch der Name dafür ist, es legt auch niemand mehr Wert auf unsere geistigen oder körperlichen Darbietungen. Dem Müßiggang, kurz zuvor bekanntlich noch aller Laster Anfang, öffnen sich Tür und Tor zu ungebremster Übung.
Durch Jahrhunderte ein Privileg der höheren Schichten, des Adels oder auch des Klerus etwa, ist Müßiggang im Zuge der gesellschaftlichen Emanzipation zu einem Allgemeingut geworden, das erkannt und gewürdigt zu werden verlangt. Wir müssen dabei nicht gleich an Ilja Iljitsch Oblomow denken, den genialischen Exponenten des gleichnamigen Romas von Iwan Alexandrowitsch Gontscharow, dem der Mittagsschlaf Zentrum und Schwerpunkt der täglichen Verrichtungen ist. Oblomow darf uns auch nicht Vorbild sein, denn sein Müßiggang ist weder produktiv, noch vermag er ihn zu genießen. Wir hingegen sollten den Müßiggang als Quelle der kreativen Regeneration, als aller Ideen Anfang schätzen und pflegen.
Der französische Dichter Saint-Pol-Roux etwa hängte an seine Türe, sobald er sich zum Mittagsschlaf zurückzog, das Schild mit der Aufschrift „Poet bei der Arbeit". Einem der geistigen Väter der Neuzeit, Isaac Newton, kam die Idee zur Gravitationstheorie als er in seinem Garten unter dem Apfelbaum lag und, so wird berichtet, in aller Gelassenheit einem fallenden Apfel zusah. Und René Descartes, der Begründer des modernen Rationalismus, entwickelte seine Gedanken vorzugsweise morgens im Bett. Cogito, ergo sum war hierbei seine bahnbrechende Erkenntnis, ein wahrer Antagonismus zu jeder Art tagfüllender Geschäftigkeit. Zu Unrecht, wie wir sehen, gilt also alles Nichtstun, der nicht zweckorientierte Müßiggang, in unserer leistungsfixierten Gesellschaft als unproduktiv und öde.
Der Eintritt in die Nach-Karriere-Phase unseres Daseins dagegen öffnet uns ungeahnte Horizonte: Die Lizenz zum Müßiggang, das uneingeschränkte Recht, unser Leben Tag für Tag aufs Neue ausschließlich nach unserem Gutdünken zu gestalten! Sei es auch gegen den Widerstand unserer Umwelt, wie es uns Loriot drastisch vor Ohren führt:
http://www.youtube.com/watch?v=yVCk8Inkav4&feature=related
Mehr über Müßiggang?
Oblomow: Roman in vier Teilen (Fischer Klassik).
672 Seiten, ISBN 3596901588
möchte ich haben




















Kommentare
Kommentar hinzufügen